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Die Hieroglyphe „Achet Chufu“ als Schlüssel zur Hermetischen Geometrie

Hermes Trismegistos und das altägyptische Zeichen für „Horizont“ / Jesus der „Eckstein“

Gepostet von Cyrill Steiger am 18. Oktober 2018

Als ich in Ägypten vor 25 Jahren meine archäologischen Forschungen betrieb, begegnete ich eines Tages einem Paar aus England, die mich fragten, was ich hier arbeite. Ich erzählte ihnen knapp und eher beiläufig, ich sei im Begriff in einer eigenen Studie das Rätsel der Pyramiden zu lösen, hinsichtlich der bereits in der Planungsphase entwickelten mathematischen Grundlage, ohne dessen die Struktur der inneren Gang- und Kammeranlage, sowie die Statik des gesamten Gebäudes kaum denkbar wäre. Unvermittelt und für mich etwas verblüffend, sprangen sie beinahe von ihren Stühlen im Restaurant auf, fast ausser sich vor Freude und begannen in kaum unterbrochenem Redefluss zu erzählen, dass sie ihrem Sohn versprochen hätten, sich während der Ägyptenreise umzuhören und umzusehen. Es gehe hierbei um einen noch nicht entdeckten, grünen Stein, der in der Nähe der Pyramiden noch vergraben sein soll, von einem in alten Büchern so genannten „Hermes“ geschrieben. Ihr Sohn sei zwar noch jung, habe sich aber damit schon jahrelang befasst und sei sich sicher, man werde ihn eines Tages finden, womit man viele Geheimnisse lüften könne. Nachdem ich diese zwar freundliche, aber intensive Verbalattacke verdaut und ich wieder gefasst überlegt hatte, wie ich eine enttäuschende Mitteilung formulieren könnte, sagte ich ihnen bedächtig und mein höflichstes Englisch aus meinem Repertoire holend: „Ich befürchte, dass ich Ihnen nicht helfen kann (I am affraid I can’t help you.).“ Die noch kurz zuvor in den vor Begeisterung hellen Gesichtern und leuchtenden Augen wahrnehmbaren Euphorie war augenblicklich erloschen, hatten sie doch für einen Moment ernsthaft gedacht, ich wüsste dies und sie stünden an der Quelle jenes Wissens, das ihr Sohn seit Jahren bisher vergeblich suchte, wie so andere Gelehrte seit Generationen. Etwas naiv glaubten sie, man könne in einem Restaurant den erstbesten Archäologen ansprechen und dieser gebe einem dann sofort und bereitwillig Auskunft, selbst wenn dieser grüne Stein tatsächlich gefunden wurde. Doch der Charme der beiden war schon bestechend und die rührselige Geschichte des glücklosen Forschers zuhause, der mit der Entdeckung des Steins vermutlich berühmt werden wollte auch; und sie lenkten dann schnell ein, indem sie sagten: „Ah Sie kennen den Stein nicht. Man hat ihn also noch nicht gefunden.“

Mit der selben höflichen Eindringlichkeit in meinen Worten fuhr ich fort: „Doch, natürlich kenne ich diesen grünen Stein, von dem sogar viele namhafte Archäologen noch nie gehört haben und der schon mehrmals gefunden wurde.“ Verwirrt sperrte das Ehepaar die Augen auf, in der Hoffnung ihrem wissenshungrigen Sohn doch noch etwas nach Hause bringen zu können und ich bemühte mich ihnen zu verdeutlichen, dass dies für sie nicht unbedingt zu einer „Mission impossible“ werden müsse, wenn sie mir versuchten genau zuzuhören. Sie nickten eifrig!

Dieser grüne Stein werde in der alten Literatur „Tabula Smaragdina“ genannt, in den Hermes Trismegistos, der drei Mal grosse Gott des Wissens und der Weisheit, einige Grundwahrheiten in Bezug auf das Verständnis der Gesetze in der Natur geschrieben, gemeisselt habe. „So aussen, wie innen“ heisse einer dieser Lehrsätze. So sei das Aussen nur der Spiegel des Inneren. Wenn man dies verstünde, dann suche man nicht mehr im Aussen, weil man im Inneren der Seele die Entsprechung entdecken würde. Auf diesem Wege haben bereits im Mittelalter Alchemisten Entdeckungen gemacht, von denen die spätere, moderne und wissenschaftlich orientierte Chemie profitiert habe. Das Wissen um den „Stein der Weisen“ sei so alt, dass man diesen auch dem altägyptischen Gott der Weisheit zugeschrieben habe und die Legende um den Mondgott Thot im späteren Griechenland in Form der Hermes Trismegistos-Sage lebendig blieb, bis zum heutigen Tag. Doch man unterliege einem Irrtum, wenn man die Tabula Smaragdina in physischer Form suche. „Sagen Sie ihrem Sohn, er solle sich diesen Stein in sich selber als innerste Wahrheit entdecken lernen.“

Auf eine vergleichbare Art und Weise verhält es sich mit der sog. Hermetischen Geometrie. Sie wird ebenfalls dem Hermes Trismegistos zugeschrieben, weshalb sich so der substantivierende Begriff von „hermetisch“ (abgeschlossen) auch mit grossem Anfangsbuchstaben schreibt.

Dutzende Bücher wurden in den letzten Jahrzehnten über die verlorene Weisheit (und das Wissen) der Pharaonen in dutzenden Sprachen geschrieben (The lost Wisdom of the Pharaos)

Buch über Hermetik

Bei sämtlichen Textstellen in den Büchern, die ich zu diesem Thema gelesen habe, fand ich lediglich Symbole, die auf ein tieferes Wissen und tiefere Wahrheit hinwiesen. „Unveiled!“ wird nicht selten proklamiert. Naja. „Enthüllung“ ist aus meiner Sicht etwas, was nach diesem Vorgang für jeden nachvollziehbar wäre. Aber zu viel bleibt ein Mysterium, mit der fehlerhaften Etiquette bahnbrechender Entdeckungen, auch wenn der interessierte Leser in älteren Schriften ähnlich spekulative Ideen findet. Auch Jesus spricht in Gleichnissen, mit symbolhaftem Charakter. Da ist nicht jedes darin vorkommende Wort und auch jenes zur Analogie herangezogene Bild massgebend, sondern die Botschaft, die sich dahinter verbirgt. In Gesprächen führe ich immer wieder das folgende Beispiel gerne an, ein Zitat von Jesus, das erstaunlicherweise in drei von vier Evangelien in übereinstimmendem Wortlaut überliefert ist. Jesus spricht: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.“

Mk 12.10, Lk 20.17 und Mt. 21 45 (Markus, Lukas, Matthäus).

Bibelserver zum Begriff „Eckstein“

Was meint Jesus damit? Von welchen Bauleuten, Architekten spricht er? Welcher Stein denn und wo müsste dieser „Eckstein“ denn zu finden sein? Ist es sogar der Stein der Weisen? Es war ein Tag im Frühling 1993, als ich mit der Metro vom Tahrir in Kairo zu mir nach Hause in Maadi fuhr, stehend, inmitten von Einheimischen, die sich in der bei jeder Weiche oder Unebenheit schüttelnden Bahn irgendwo festklammerten, um den Fliehkräften keine Chance zu geben. Da durchfloss mich plötzlich ein Gedanke, der war so klar und ergoss sich von oben wie ein Wasserfall aus Licht und mir wurde plötzlich bewusst, was Jesus uns mit diesem Satz sagen wollte. Jesus spricht von sich selbst, in der 3. Person Singular „er“ und bezeichnet sich als „Eckstein“! Zwar fand ich erst Jahrzehnte später die Bestätigung meiner These, da Bibel-Textstellen mit ähnlichem Inhalt damals schwer auffindbar waren und sich leichter auffinden lassen mithilfe von Internet und Google. In Epheser 2.20 heisst es demnach unmissverständlich: „Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. 2.21 In ihm zusammengefügt, wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, 2.22 und in ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.“ Wouw! Einfach gigantisch. Was für eine Offenbarung! Bei Jesaia 28.16 wird Jesus im Satz: „….ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, felsenfest gegründet.“ auch erwähnt und als Eckstein bezeichnet.

Aber weshalb ist dieser Eckstein so hervorgehoben und welche Aussage verbirgt sich hinter dem Verwerfen durch die Bauleute? Dies hat einen Bezug zur altägyptischen Tradition, wonach es ein historisches Verständnis wie heute nicht gab. Eine Dynastie umfasste den Zeitabschnitt einer Regentschaft eines Gottkönigs. Starb dieser, riss man sehr oft die bestehenden Tempel ein, baute aus ihnen neue, um dem inthronisierten Pharao auf ihn bezogene Kultstätten zu errichten. Da stand kein Schild: „Umständehalber gut erhaltene Tempelanlage zu vermieten!“ Da wurden rigoros die Gebäude dem Erdboden gleich gemacht, oder die Kartuschen weggemeisselt und die Zeitrechnung begann mit den Worten: „Im ersten Regierungsjahr des Pharao soundso..“ Nun gehörte es aber ebenfalls zur Tradition, dass beim Wiederaufbau ein besonderer Eckstein des eingerissenen Tempels als Eckstein im Fundament des neuen Tempels seinen ehrenvollen Platz fand. Man respektierte so den Vorgänger-Pharao als Glied einer fortlaufenden Genealogie von auf die Erde gesandten göttlichen Wesen. Mit grösster Wahrscheinlichkeit benutzte Jesus das Gleichnis vom Eckstein, wie er sich selbst nannte, um die Ignoranz der Menschen zu verdeutlichen, die ihn als Propheten nicht anerkennen wollten, also „verworfen“ haben.

Dies ist die Hieroglyphe für den Begriff „Horizont“, altägyptisch „Axt“. Das „x“ wird als „ch“ gesprochen und wie in den semitischen Sprachen üblich, wird im Wort zwischen zwei Konsonanten ein Vokal als Übergang eingesetzt, also „Achet“ = Horizont. Die Pyramide von Cheops wird in alten Papyri „Achet Chufu“, also der „Horizont des Pharao Cheops“ genannt, vergleichbar mit „Achet Aton“. Es ist jener „Horizont“ an dem „Re-Harachte jubelt“, wie es auf der in Amarna gefundenen Altartafel u.a. heisst.

Echnaton und Familie Gedenktafel 01

Reallexikon der altägyptischen Religionsgeschichte: Achet = Lichtort

„Achet“ bedeutet aber auch „Lichtort“. Der Horizont im Westen (Harachte ist Re’s Zustand am Abend), so meinen viele Fachleute, müsse also der wannenförmige, untere Teil der Hieroglyphe symbolisieren, wobei spekuliert wurde, ob es sich um zwei Hügel in Ufernähe des Nils, angrenzend zur libyschen Wüste handelt. Die kreisrunde Scheibe in der Mitte über der muldenartigen Form eingebettet müsse demnach die Sonne, bzw. den Sonnengott Re darstellen, wie er sich anschickt hinter dem (hügeligen) Horizont unterzugehen.

Es ist daher kein Zufall, dass ich einen Beobachtungsstandort im November 1992 östlich des Friedhofs auf dem Gizehplateau wählte, von dem aus ich Fotos der untergehenden Sonne zwischen den Pyramiden in Richtung Westen machen konnte. Eine dieser Aufnahmen verwendete ich später als Titelbild für meine Publikation von 1994 mit dem Titel „Der Kanon in Kunst und Architektur“.

001 Kanon Titelbild

002 Kanon Rückseite

Auf der Rückseite des Buches befindet sich ein kurzer Klappentext. Hier ein Ausschnitt: „Auf bestechende Weise stellt der Autor dieses Buches seine Theorie über die ursprüngliche Entwurfsmethode der Pyramiden vor.  Am Beispiel der Cheopspyramide wird das mathematische Prinzip aufgezeigt, das sowohl die äussere Form, als auch die Struktur der Kammer- und Ganganlage bestimmte. Das ganze Konzept beruht auf einer Hermetischen Geometrie, die sich aus einer bestimmten Anordnung der Dreieckszahlen ergibt. Anhand einer Sammlung von Indizien, erbringt der Autor den erstaunlichen Nachweis für eine praktische Anwendung eines Proportionskanons beim Entwurf der Pyramiden, aber auch für die Existenz einer altägyptischen Zahlenmystik, die dabei eine entscheidende Rolle spielte. Die Enthüllung der bis anhin vergeblich gesuchten Pyramidenformel war nur infolge eines interdisziplinären Standpunktes möglich.“

Noch vor Carl Friedrich Gauss schrieb der Mathematiker Michael Stifel (1487 – 1567) im Jahre 1553 zum Thema der Dreieckszahlen: „Von der Progress dreyeckichter Zalen. 1. So man zwo dreyecktichte zalen zusamen addiret…usw.“

Rechnen in Bildern – Figurierte Zahlen, Michael Stifel (1553)

Michael Stifel Wikipedia

In meinem Buch zeige ich auf, wie bereits bei den alten Ägyptern beim Bau der Cheopspyramide die Dreieckszahlen zur Konzeption eingesetzt wurden. Es gibt einem den Schlüssel zum Verständnis der seit Jahrhunderten gesuchten Formel zur Berechnung der Pyramiden in die Hand. Gleichzeitig legen meine Studien nahe, dass die Legende vom über 20-jährigen Aufenthalt Pythagoras‘ im Kreise altägyptischer Priester eine wahre Überlieferung sein dürfte. Als er in Kroton eine nach ihm selbst benannte Schule eröffnete, in der hochbegabte Adepten sich von ihm persönlich unterrichten, ja gar in die Geheimnisse der Natur einweihen liessen, stand die sog. Tetraktys im Zentrum seiner Geheimlehre, die nur mündlich weitergegeben und später von Iamblich aufgezeichnet wurde. Man betrachtete sie als heilig, weshalb sie unter einem Eid stand. Die Wurzeln der Entdeckung der Tetraktys liegen also mindestens nochmals 2’000 Jahre zurück, als die Dreieckszahlen für den Bau der Pyramiden verwendet wurden. Während meinen Entdeckungen in Bezug auf diese unglaublich interessanten Zusammenhänge war ich sehr überwältigt! Am Anfang meiner Forschungsarbeit, die im Dezember 1986 begann, hätte ich mir nie denken können, dass ich nur 8 Jahre später von der ägyptischen Altertümerverwaltung in Luxor als Referent zu einem Vortrag 1994 eingeladen werden würde, den ich vor einem erstaunten Fachpublikum hielt.

127 Kanon

Beim Link auf die Seite 27 in meinem Buch (pdf-Datei) kann man sofort erkennen, was ich unter der Hermetischen Geometrie verstehe. Aufgrund der mathematischen Proportionen, die sich aus den Dreieckszahlen ergeben, lassen sich in ein Kreuz vier Vollkreise einzeichnen, die mit erstaunlicher Genauigkeit aufeinander treffen, die Vektoren des Kreuzes tangierend. Eine solche Geometrie musste aus der Sicht der altägyptischen Priester göttlicher Herkunft sein, sie zu entdecken die Annahme übersinnlicher, göttlicher Eingebungen. So liegt nahe, dass der Gott der Weisheit und des Wissens Thot am Anfang einer mehrere tausend Jahre alten Legende stand, in dessen Geschichte analog dazu im alten Griechenland Hermes Trismegistos auftaucht.

Wenn man diese Überlegungen aus dem Blickwinkel transzendentaler Erfahrungen zu betrachten beginnt, erstaunt es nicht, dass eben diese Grenze zwischen zwei Bereichen als „Horizont“ bezeichnet wird und das numinose Erlebnis darüber hinaus gehend in einem Raum stattfinden kann, der auch als „Lichtort“ genannt wurde. Die Erleuchtung ist eine durch die Erweiterung des Bewusstsein erlangte, allumfassende geistige Erkenntnis. Was läge näher als diese mit Licht in Verbindung zu bringen. Solchen Metaphern begegnen wir auch bei der Tabula Smaragdina, weshalb es absolut sinnlos ist diesbezüglich eine Lösung im materiellen Bereich zu finden.

Die Hieroglyphe für „Horizont“ ist sodann kein geschwungenes Nilufer am Rande der Wüste, über dem sich die Sonnenscheibe senkt, sondern sie ist – wie ich damals entdeckte – der Beweis dafür, dass die göttliche Geometrie den Priestern schon vor 4’500 Jahren bewusst gewesen sein muss. Die schraffierten Teile ergeben das Zeichen, welches im Kontext der Hermetischen Geometrie steht.

128 Kanon

 

 


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